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St. Petri - Gemeinde Hannover

 

Auf ein Wort

 

Gedanken zur Jahreslosung 2012

Jesus Christus spricht:

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“

2. Korinther 12, 9

 

Zum Herrn gefleht hat Paulus, mehrfach, dass der „Pfahl in seinem Fleisch“ von ihm weichen möge. Als Engel des Satans, der ihn  mit Fäusten schlagen soll – so empfand er sein Leiden. Natürlich wollte er das loswerden! Wie kräftezehrend ist eine Krankheit, die einfach nicht zu stoppen ist, die einen immer wieder daran hindert, zu tun, was Gesunde tun können; die einen schwächt und schwächt und in die Verzweiflung treibt. „Herr, es ist genug, ich kann nicht mehr“: Wie oft wird in der Tiefe des Leidens so gefleht? Wenn die Chemotherapie nichts nützt. Wenn die Beine einen nicht mehr tragen. Wenn der Alkohol einen fest in der Fessel der Sucht hält. Wenn die Traurigkeit über den Tod übermächtig wird. „Herr, nimm diesen schmerzhaften Pfahl aus meinem Fleisch, ich bitte dich!“

Als meine Schwester und meine Mutter kurz nacheinander starben, war neben dem Schmerz des Abschiednehmens das Gefühl besonders quälend, selbst versagt zu haben. Ich war oft nicht da, als sie mich gebraucht hätten; ich habe zu selten Worte gefunden, die sie im Glauben hätten stärken können. Nein, ich war nicht stark und mit meiner Kraft war es nicht weit her. Wie ohnmächtig ich mir vorkam in diesem Geschehen. Ich wollte so vieles „richtig“ machen: meine Schwester im Sterben begleiten, meine Mutter trösten. Ich habe um die Kraft dafür gebetet. Die Antwort, die Gott gibt, ist anders als erwartet. „Lass gut sein. Lass es zu, dass meine Kraft wirksam wird“. Das ist ein unerwarteter Trost, wenn meine Stärke am Ende ist.

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ So antwortet Gott auf die Bitten des Paulus. „Lass gut sein. Meine Gnade genügt dir“. Das hebt das Leiden nicht auf, aber wenn die Tränen abgewischt sind, wächst tatsächlich eine neue Kraft aus diesem Zuspruch. Das ist keine billige Vertröstung. Es ist die Verheißung, dass Gott alles zum Guten wenden wird. Seine Gnade hört nicht auf, wo ich schwach bin, sie fängt dort erst an.

Doris Michel-Schmidt